Große Sorge in Nord-und Ostsyrien wegen Covid 19

Mit Ausbruch der Covid – 19  Krise in Europa und weltweit schaut die internationale Gemeinschaft offensichtlich nur noch auf sich selbst. Das einzige Labor, das in der Region zur Verfügung stand, befindet sich in der von der Türkei und Dschihadisten besetzten Stadt Serê Kaniye.

Angesichts der weltweiten Verbreitung des Coronavirus erklärte Ciwan Mistefa, der Ko-Vorsitzende der Gesundheitsabteilung der Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyriens, dass ein Großteil der Welt inzwischen Rojava vergessen zu haben scheint. Der Kurdische Rote Halbmond und die Gesundheitsabteilung der Selbstverwaltung arbeiten informell mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen, um „eine Koordinationsgruppe mit allen Interessengruppen und anderen NGOs im Nordosten Syriens zu organisieren, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern“, erklärte Mistefa.“ Die UNO arbeitet nicht formell mit Nord- und Ostsyrien zusammen, da sie ihren Sitz in Damaskus hat.

Die Grenzen nach Başur wurden geschlossen, mit Ausnahme von Notfällen und  „zweimal wöchentlichem Transport kommerziellen Grundbedürfnisse“, so Mistafa. Es gibt Ausnahmen für Medikamente und medizinische Hilfsgüter, die zu anderen Zeiten in Abstimmung mit den örtlichen Behörden passieren müssen. In allen Fällen gibt es Temperaturkontrollen für jeden, der die Grenze überschreitet oder in ein Lager für Binnenvertriebene eintritt.

Die Nord- und Ostsyrischen Behörden haben auch Schulen und Universitäten geschlossen und alle öffentlichen Versammlungen verboten. Auch die Bewegung innerhalb der Städte wird ab 21.03. eingeschränkt, nur Lebensmitteleinkauf ist erlaubt. Ab 23.03. sind alle Reisen zwischen den Städten verboten. Alle Läden außer zur Versorgung mit Nahrungsmitteln werden geschlossen.

Newrozfeiern sind abgesagt. Darüber hinaus werden auch alle sportlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen abgesagt. Der kurdische Rote Halbmond überwacht auch die Regulierung der Abfallwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Autonomen Verwaltung.

Mistefa berichtet, dass die Autonome Verwaltung auch eine Sensibilisierungskampagne gestartet habe, um zu versuchen, die WHO-Standards zu erfüllen. „Ein Plakat mit allen grundlegenden Hygieneinformationen wurde bereits überall verteilt und wird auch weiterhin z.B. in jeder Bäckerei und an jedem Kontrollpunkt in Nord- und Ostsyrien verteilt werden“, sagte er. Darüber hinaus wird das Gesundheitsministerium „eine Audio- und Videobotschaft mit allen Anweisungen auf lokalen Radio- und Fernsehkanälen verteilen“. Die Verwaltung startete auch eine Aufklärungskampagne für den Einsatz in den Lagern für Binnenvertriebene.

Mistefa erklärte jedoch, dass weder der Kurdische Rote Halbmond noch die Autonome Verwaltung genug Material hätten, um mit einer Pandemie fertig zu werden. Die Region wird 13 Krankenwagen für den Transport der mit Covid-19 infizierten Personen bereitstellen, von denen drei für diejenigen eingesetzt werden sollen, die eine intensive Betreuung benötigen. Es gibt nur 150 Beatmungsgeräte für zwei Millionen Menschen und das einzige Testgerät befindet sich unter türkischer Besatzung.

„Bisher ist das einzige Labor, das Covid 19 diagnostizieren kann, in Damaskus, das der syrischen Regierung untersteht. Um einen Verdachtsfall zu überprüfen, muss die WHO eine Probe nehmen und sie in ein Labor in Damaskus transportieren“, sagte Mistefa. In der Praxis wird es eine Woche dauern, und selbst dann „sind die Ergebnisse angesichts der Entfernung und der Unmöglichkeit, die Qualität der Verfahren zu überprüfen, nicht 100 Prozent sicher“.

Die Quarantäne ist ebenfalls schwierig, obwohl die Autonome Verwaltung derzeit neun Quarantänestationen eingerichtet hat. Sie geht davon aus, dass fünf Zentren in 20 Tagen fertig sein werden. Der Kurdische Rote Halbmond verfügt zwar über einige persönliche Schutzausrüstungen, und die WHO hat mehr versprochen, aber es ist unklar, wann diese eintreffen werden.

Das andere große Problem sind die Auswirkungen der türkischen Invasion. Mehr als 300.000 Geflüchtete Serê Kaniyê und Girê Spî leben in Lagern nach Süden.  „Wenn ein Fall in einem dieser Zentren bestätigt wurde, ist es in diesem Zustand wirklich eine Katastrophe“, so Ciwan Mistafa. Das Al-Hol-Lager, in dem viele Gefangene des islamischen Staates und ihre Familienangehörigen nach wie vor eingesperrt sind, stellt ein weiteres Problem dar, vor allem angesichts des Mangels an Ressourcen und des Desinteresses  der USA und Europa. „Ehrlich gesagt, wenn ein Fall in Al-Hol bestätigt wurde, ist das eine totale Katastrophe, und wir können das Lager nur völlig isolieren“, sagte er.

Die Ko-Vorsitzende der Stadt Qamishlo, Zozan Ibrahim erklärte, dass bereits in einem Krankenhaus in Al Mayadeen bei Deir ez Zor auf der anderen Flussseite des Euphrat sechs Infektionen festgestellt wurden. Vier der Infizierten sind Iraker und zwei weitere Iraner.

 

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