Ein schwarzer Tag – der 15. Februar

Heute ist ein schwarzer Tag nicht nur für die KurdInnen, sondern für alle Menschen, die sich nach Freiheit sehnen. Heute vor 21 Jahren wurde Abdullah Öcalan durch die Zusammenarbeit verschiedener Geheimdienste in die Türkei verschleppt. Nur der Widerstand von Millionen von Menschen konnte verhindern, dass er hingerichtet wurde. In der Folge veröffentlichte er mehrere Bücher, die als Verteidigungsschriften herauskamen. Diese sind ein Manifest nicht nur für Kurdistan, Sie zeigen eine Alternative zu Kapitalismus und Patriarchat auf, den Demokratischen Konföderalismus. Leider sind noch nicht alle Bücher übersetzt.
Jedoch wird heute schon in Rojava aufgebaut und umgesetzt, was Öcalan vorschlägt. Eine geschlechterbefreite, basisdemokratische, ökologische Gesellschaft.
Ich hatte die Gelegenheit Abdullah Öcalan kennenzulernen, 1995 war ich für drei Monate in Damaskus und auch noch einmal 1997.
Ich werde oft gefragt, was für ein Mensch ist er? Für mich war der Zugang auch nicht so einfach, ich kam aus der deutschen Linken, war eigentlich ziemlich mit Vorurteilen belastet.
Der Vorsitzende spielte jeden Tag, wenn er Zeit hatte mit den FreundInnen Fußball. Er nahm sich Zeit mit jeder einzelnen Person zu reden, zu verstehen, mit welchen Fragen und welcher Persönlichkeit er oder sie gekommen ist, ob es den ehrlichen Wunsch gibt RevolutionärIn zu sein, bzw. zu werden. Er ist nicht jemand, der einer europäischen Frau auf Anhieb sympathisch ist, es brauchte einige Zeit zu verstehen.
RevolutionärIn wird mensch nicht per Deklaration, es ist ein weiter Weg, die Eigenschaften, die das System uns anerzogen hat, wieder loszuwerden. Über diese Fragen wurde in der „Akademie“ viel diskutiert. Am schwersten haben es die Menschen, die aus den kapitalistischen Metropolen kommen. Wir haben den Egoismus und Individualismus von klein auf eingeimpft bekommen. Das habe ich auch erst dort in Damaskus begonnen zu hinterfragen.
Abdullah Öcalan ist ein Mensch, der sich mit diesen Fragen schon sein Leben lang auseinandersetzt und ich konnte ihn kennenlernen als jemanden, der sein Leben, seine gesamte Zeit und Energie der Revolution widmet und nicht eine Minute an sich denkt. Er hat die Fähigkeit Menschen ins Herz zu schauen, ihr tiefstes Innerstes zu erkennen, wie sie sich selbst belügen und sich etwas vormachen. Aber er glaubt daran, dass sie sich ändern können, dass sie wirklich zu Menschen werden können, die die Welt verändern, dass die Welt verändert werden kann. Insbesondere hier in Europa ist dieser Glaube schwach, gibt es viele Zweifel. Fatalismus. Aber eine andere Welt ist möglich. Öcalan glaubt daran. Obwohl er sich seit 21 Jahren fast vollkommen isoliert im Gefängnis auf der Insel Imrali befindet, hat er uns eine wertvolle Anleitung geschrieben, wie wir die Welt verändern können. Die Zweifel müssen wir selbst überwinden.
Warum die KurdInnen auf seiner Freiheit beharren? Er hat sie vor der Vernichtung gerettet, er hat ihnen ihre Würde zurückgegeben, den Frauen ein freies Leben ermöglicht, denn er hat die Grundlagen für den Befreiungskampf geschaffen.
Was er für uns EuropäerInnen bedeuten kann, dafür müssen wir uns auf den Weg machen, unsere Vorurteile überwinden, seine Bücher lesen und verstehen. Das tun immer mehr. Wir haben die Macht ihn aus dem Gefängnis zu holen, wir müssen uns nur endlich dieser Macht bewusst werden, uns organisieren und zu einer Kraft werden, bevor es zu spät ist.

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